In Kampala wollte ich mich eigentlich mit einer Ex-Freiwilligen von artefact treffen, die ich in Kigali kennengelernt hatte und die einen Tag vor mir in Kampala ankam.
Ja, ich war auf großer artefact-Rundreise.
Leider war in dem Hotel in dem sie mit ihren Eltern, mit denen sie am Reisen war, eingezogen ist außer einem Dreierzimmer, dass ich nicht allein bezahlen wollten kein Bett mehr frei.
So kam es dann dazu, dass ich also um 23:30 in Kampala aufschlug und noch kein Zimmer hatte.
Der Busbegleiter schickte mich mit einer wohl schon häufig erprobten Armbewegung in irgendeine Richtung und meinte: „Da findest du viele günstige Hotels.“
Also machte ich mich auf. Irgendwann kam mir die Idee, dass vielleicht nicht sein Arm den Weg angezeigt hatte, sondern vielleicht sein Blick, denn in der Straße in die er mich schickte gabs kein offenes Hotel mehr. Es gab dort irgendwie nichts. In dem ganzen Viertel war irgendwie nichts.
Alles tot. Absolut ausgestorben. Nur ein paar mit Gewehren bewaffnete Wächter standen herum und die sahen alle so aus, als ob sie nicht von mir angesprochen werden.
Da kam eine betrunkene Stimme aus einer dunklen Gasse zwischen zwei Häusern.
„Kann ich dir helfen?“ Mein Kopf sagte nein, mein Mund sagte ja und zwei Minuten später trotte ich Jumaa ( so hieß der gute Mann) hinterher zu einem Hotel, dass ein Freund von ihm leiten sollte.
„Wir sind gleich da. Es ist dort hinten.“ Den Satz hörte ich ein paar mal auf unser halbstündigen Tour. Ich bin die Strecke übrigens am nächsten Tag nochmal gegangen und habe 15 Minuten gebraucht.
Ja, der Typ war etwas betrunken.
Irgendwann kamen wir dann an Addis Guesthouse an.
Ich trat ein und ein freundlicher Äthiopier verkündete mir, dass er heute Nacht keinen Platz für mich hätte.
Ich war leicht resigniert.
„Aber morgen hab ich was für dich.“ Sollte auch nur etwa 4,5 Euro die Nacht kosten. Mit eigenem Bad. Der Preis war okay. Hatte eigentlich 3 Euro angepeilt, aber mit Bad würde ich das wohl in der ganzen Stadt nicht bekommen und ein anderes Zimmer hatte er nicht frei.
Er bot mir dann an mich zu einem Hotel eines Freundes zu fahren, da die noch Platz haben müssten.
Auf dem Weg dorthin unterhielten sich Jumaa, der Äthiopier, der mich begrüßt hatte und noch ein Freund von ihm auf Swahili. Keiner der Leute wusste, dass ich das mittlerweile auch ein wenig verstehe. Das Gespräch verlief in etwa so:
Fahrer: „Das Zimmer wird so etwa 40.000 kosten. Der Besitzer meinte, dass er nur noch ein Doppelzimmer frei hätte.“
Jumaa: „Der Weiße meinte vorhin zu mir, dass er soviel nicht ausgeben will.“
Beifahrer: „Die werden vielleicht etwas runtergehen.“
Fahrer: „Aber doch nicht auf 20.000.“
Beifahrer: „Wir werden sehen.“
Mir war etwas unwohl, aber war gespannt, was auf mich zukommen sollte.
40.000 wollte ich wirklich nicht ausgeben. 20.000 war mir schon fast zu viel, aber für eine Nacht sollte es wohl gehen.
Um einmal zu erklären um welche gigantischen Summen wir hier sprechen: 40.000 Uganda Schilling entspricht etwa 12 Euro.
Ich wartete im Auto. Der Beifahrer war drinnen und verhandelte um den Preis. „Die müssen noch nicht wissen, dass du ein Weißer bist.“
Nach etwa 15 Minuten und einem Telefonat mit einem anderen Hotel kam er endlich wieder zum Auto und verkündete, dass sie mich jetzt für 20.000 reinlassen würden.
Ich war mittlerweile so müde, dass ich auch 50.000 bezahlt hätte und bin dankbar ins Bett gegangen.
Hier noch ein Bild von meinem Luxusbett:

Am nächsten Tag bin ich dann umgezogen in das andere Guesthouse.
Dort habe ich ein paar sehr schöne Tage verbracht.
Habe kleine Ausflüge in die Stadt unternommen, aber vor allem hatte ich jede Menge Spaß im Guesthouse selbst. Jumaa kam gelegentlich vorbei und habe dort aber noch viele andere Leute kennengelernt.
Hab mich mit Leuten aus Uganda, Äthiopien und dem Kongo bis spät in den Abend über Politik gestritten, wir haben zusammen Fußball geschaut und beschlossen, dass der Torhüter von Schalke ja der beste der Welt sein muss. Zumindest haben das alle anderen beschlossen und wenn man mal ehrlich war, dann war beim Halbfinalhinspiel der Champions League der Torhüter der einzig brauchbare in der Schalker Mannschaft und ich habe original äthiopisches Essen vom Hotelbesitzer gekocht bekommen.
Schade, dass ich da keine Kamera in der Hand hatte, das war einfach wunderbar.
Wir saßen mit 4 Leuten um einen riesen Teller voller Essen und jeder Griff einfach in diesen großen Haufen mit der Hand rein.
Das war wirklich ein schönes Erlebnis.
Sowas sollte man auch mal in die Deutsche Esskultur einführen.
Nicht immer nur dieses steife am Tisch Gesitze. Jeder mit seinem eigenen Teller und fein ordentlich mit Messer und Gabel.
Nein, alle von einem Teller und am liebsten mit den Fingern.
So macht Essen viel mehr Spaß.
Ach, noch als kleine Randinfo: Ich hab mich natürlich noch mit der Ex-artefactlerin und einem anderen Ex-artefactler, der grad einem Job bei einer NGO ( Nicht Regierungs Organisation) in Kampala hat, getroffen.
Wollte ja keine Stadt ohne artefact-Besuch machen.